Defekte Stellwerke
19:01 Uhr

"Missmanagement" – Harsche Kritik aus Wuppertal an DB

Kids zu spät aus der Kita, Pendler im Dauerstress: Die Bahn-Pannen in Wuppertal haben Folgen für den Alltag – und bringen die Stadtspitze auf die Barrikaden.
IC 2 (Baureihe 146) von DB Fernverkehr und S-Bahn (Baureihe ET 1440) von DB Regio NRW begegnen Schwebebahn in Wuppertal
IC 2 (Baureihe 146) von DB Fernverkehr und S-Bahn (Baureihe ET 1440) von DB Regio NRW begegnen Schwebebahn in Wuppertal, © Deutsche Bahn AG / Georg Wagner
Nach einer Pannenserie und vielen Zugausfällen wirft Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) der Deutschen Bahn "Missmanagement" vor. Seit Monaten litten die Bürger der Stadt unter den Folgen der Generalsanierung. Sie müssten drastisch längere Fahrtzeiten und unzuverlässige Busse im Schienenersatzverkehr akzeptieren, weil die Deutsche Bahn "seit Jahren infrastrukturelle Herausforderungen vor sich herschiebt".

"Doch die Ereignisse der letzten Tage setzen dem Missmanagement der Bahn aus meiner und der Sicht vieler Wuppertalerinnen und Wuppertaler die Krone auf und so langsam verlieren wir die Geduld", kritisiert Scherff. Sie hat einen offenen Brief an den Konzernbevollmächtigten der Bahn für NRW verfasst. 

Kritik am Modernisierungsstau 

"Entgegen vieler kritischer Stimmen im Laufe des letzten Jahres auch aus Wuppertal haben Sie sich bewusst entschieden, die Stellwerke rund um unsere Stadt nicht zu modernisieren - und ich habe den Eindruck, dass Ihnen und leider auch uns das jetzt auf die Füße fällt." Die Ausfälle der letzten Tage zeigten, wie labil die bestehende Infrastruktur ist, wenn ein einzelnes Stellwerk oder eine Weiche den Bahnverkehr rund um Wuppertal über Tage lahmlege.

"Belastet" Alltag vieler Bürger 

Das habe "verheerende Konsequenzen" für die Bürger. Das erfahre sie jeden Tag durch Mails, Instagram-Nachrichten und in Gesprächen. "Die Arbeitnehmenden kommen zu spät zu ihrem Job oder die Jugendlichen zu spät zur Schule, was negative Konsequenzen mit sich bringt, oder Kinder werden zu spät aus der Kita abgeholt, was unsere Kleinsten und das Familienleben stark belastet." 

Probleme "untergraben" Akzeptanz 

Die Bürger müssten sich darauf verlassen können, dass der Staat und seine Infrastruktur zuverlässig und planungssicher funktionieren. "Die Probleme der letzten Tage, Wochen und Monate untergraben die Akzeptanz in den öffentlichen Verkehr als Ganzes", unterstreicht die Oberbürgermeisterin.

Scherff forderte die Manager der Deutschen Bahn auf, "die Ursachen der mannigfaltigen Störungen konsequent aufzuarbeiten und Ihre Technik umgehend und umfassend zu modernisieren und leistungsfähiger sowie widerstandsfähiger zu gestalten - und dies mit höchster Priorität anzugehen".

Schon wieder Störung in Wuppertal

Im Bahnverkehr rund um Wuppertal hat eine Störung am Freitagmorgen erneut mehrere Stunden lang für Probleme gesorgt. Eine Weiche zwischen Wuppertal und Hagen sei defekt gewesen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn NRW. Während des Berufsverkehrs am Morgen fielen S-Bahnen und Regionalzüge aus oder wurden weiträumig umgeleitet. Einige Züge wurden schon in Essen und Düsseldorf gestoppt und fuhren nicht weiter bis nach Wuppertal.

Schließlich konnten Techniker die Weiche reparieren. Der Zugverkehr sollte sich laut Bahn im Laufe des Vormittags normalisieren.

Wiederholte Stellwerksprobleme

Im Bahnverkehr rund um Wuppertal reiht sich seit gut zwei Wochen ein Ausfall an den nächsten. Zunächst hatte am 18. Juni ein defektes Stellwerk dafür gesorgt, dass keine Züge zwischen Düsseldorf und Wuppertal fahren konnten. Nach gut einer Woche sollte das Stellwerk wieder laufen, doch schon kurz nach Inbetriebnahme fiel es erneut für mehrere Tage aus. Insgesamt konnten dadurch zwei Wochen lang keine Züge durch Wuppertal fahren.

Auf Stellwerksstörung folgen Signalstörung und Weichenstörung

Als der Verkehr am Donnerstagmorgen wieder anrollen sollte, gab es neue Probleme: Plötzlich fielen mehrere Signale an der Strecke aus. Bald war klar, dass ein anderes Stellwerk wenige Kilometer weiter defekt war. Mehrere Stunden lang fuhren erneut keine Züge zwischen Düsseldorf und Hagen.

Am Freitag legte dann die Weichenstörung den Zugverkehr am Morgen weitgehend lahm. Erneut warteten Pendler vergebens auf ihren Zug. Auf einem Teil der Strecke wurden Ersatzbusse eingesetzt.

200 Ersatzbusse wegen Generalsanierung

Ohnehin sind Bahnreisende in der Region rund um Wuppertal seit Monaten leidgeprüft. Denn die zweite wichtige Strecke in der Region von Wuppertal nach Köln ist bereits seit Anfang Februar für eine umfassende Sanierung voll gesperrt. Alle Fernzüge etwa von Köln nach Berlin und Hamburg werden weiter nördlich über das Ruhrgebiet umgeleitet. Für die Pendler in der Region fahren in Spitzenzeiten rund 200 Ersatzbusse. Am kommenden Freitag soll die Generalsanierung abgeschlossen werden.
© dpa | Abb.: Deutsche Bahn AG / Georg Wagner (Symbolbild) | 03.07.2026 19:01

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