Hannover-Berlin
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Nach Güterzugunfall: Gas wird aus Waggons abgepumpt

Nach dem Güterzugunfall auf der Bahnstrecke Hannover-Berlin hat das Abpumpen des Gases aus den Waggons begonnen. Reisende müssen weiter mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen: Die Bahn geht davon aus, dass der Streckenabschnitt mindestens bis zum 27. November gesperrt bleibt.
Güterzug-Kollision im Landkreis Gifhorn am 17.11.2022
Güterzug-Kollision im Landkreis Gifhorn am 17.11.2022, © Bundespolizei
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Die Bergung der verunglückten Gas-Güterwaggons und die Reparatur des zerstörten Trassenabschnitts auf der Bahnstrecke zwischen Hannover und Berlin werden noch mehrere Tage dauern. Die Strecke bleibe bis mindestens 27. November gesperrt, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Sonntag. Eine genaue Prognose sei schwierig. Züge werden weiträumig umgeleitet, Bahnreisende müssen sich weiter auf Ausfälle und Verspätungen einrichten.

Am Sonntagmittag begann die Feuerwehr mit dem Abpumpen des explosiven Propangases. Dazu waren am Samstag Spezialpumpen in Stellung gebracht worden, wie Carsten Schaffhauser, Sprecher der Feuerwehr Meinersen, sagte. Das Abpumpen des Gases aus den vier umgekippten Kesselwaggons werde Tage beanspruchen. Derzeit sind noch sechs havarierte Waggons an der Unfallstelle, darunter die vier Kesselwagen mit ursprünglich 200 Tonnen Gas. Mindestens einer davon sei leckgeschlagen, sagte der Feuerwehrsprecher.

Weil die Waggons auf der Seite liegen, könne nur etwa die Hälfte des Inhalts abgesaugt werden. Daher sei zuletzt der Plan gewesen, den restlichen Inhalt kontrolliert abzufackeln. Da dies allerdings sehr lange dauere, werde nun geprüft, ob die halbleeren Waggons nicht doch mithilfe von Hebekissen und Kränen wieder aufgerichtet werden können. Anschließend könnte das restliche Gas abgepumpt werden.

Am Samstagabend hatten sich die Arbeiten an der Unfallstelle zunächst verzögert. Beim leckgeschlagenen Waggon habe sich wegen der vorherrschenden Windstille eine Gaswolke gebildet, sagte Schaffhauser. Die Einsatzkräfte seien aus Sicherheitsgründen aus der Gefahrenzone gebracht worden. Explosionsgeschützte Lüfter seien eingesetzt worden, um künstlichen Wind zu erzeugen.

Am frühen Donnerstagmorgen hatte ein Güterzug auf der wichtigen West-Ost-Verbindung in der Höhe von Leiferde an einem Signal gehalten. Ein nachfolgender Güterzug war aus zunächst ungeklärter Ursache aufgefahren. Vier Waggons kippten um, auch die Oberleitung wurde beschädigt. Der auffahrende Zug bestand aus 25 mit Propangas gefüllten Kesselwagen. Der Kohlenwasserstoff ist hochentzündlich - bei der Bergung muss das Risiko von Explosionen beachtet werden. Beide Güterzüge stammten von privaten Unternehmen.

"Erst wenn die Unfallstelle geräumt ist, können wir dort mit den Reparaturarbeiten beginnen", sagte ein Bahn-Sprecher. Schon jetzt zeichneten sich erhebliche Schäden etwa an den Oberleitungen und im Gleisbett ab. Für Fahrgäste, die eine geplante Reise verschieben möchten, gilt eine Sonderkulanz: Schon gebuchte Fernverkehrstickets können bis einschließlich 4. Dezember flexibel genutzt, Sitzplatzreservierungen kostenfrei storniert werden.
© dpa | Abb.: Bundespolizei | 19.11.2022 20:27

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