Niedersachsen
14:32 Uhr

Kommunen legen Alternative zu Neubaustrecke Hamburg-Hannover vor

Eine neue Studie soll zeigen, wie die bestehende Strecke zwischen Hamburg und Hannover leistungsfähig ausgebaut werden könnte. Die Auftraggeber versprechen geringere Kosten und frühere Verbesserungen.
Korridor Hannover-Hamburg - ein Kapazitätsengpass im Schienennetz in Deutschland
Korridor Hannover-Hamburg - ein Kapazitätsengpass im Schienennetz in Deutschland. Ein ICE 4 von Hamburg kommend überholt einen Containerzug von DB Cargo mit Baureihe 152, © Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Im Streit um die Bahnverbindung zwischen Hamburg und Hannover haben mehrere niedersächsische Kommunen eine Alternative zur geplanten Neubaustrecke vorgestellt. Nach einer von ihnen beauftragten Studie könnte die bestehende Verbindung so erweitert werden, dass sie die vorgesehenen Kapazitäts- und Fahrzeitanforderungen ebenfalls erfüllt. Das Konzept soll rund drei Milliarden Euro kosten und aus 14 einzeln umsetzbaren Modulen bestehen. 

Fernzüge sollen teils bis zu 250 Kilometer pro Stunde fahren können 

Die Untersuchung wurde unter anderem von der Gemeinde Seevetal, der Samtgemeinde Hanstedt und dem Landkreis Harburg in Auftrag gegeben und vom Beratungsunternehmen Vieregg-Rössler erarbeitet. Eine unabhängige Prüfung der Berechnungen liegt bislang nicht vor. Auch eine aktuelle Bewertung der Deutschen Bahn zu dem Konzept gab es zunächst nicht. 

Vorgesehen sind unter anderem ein viertes Gleis zwischen Bad Bevensen und Uelzen, zusätzliche kreuzungsfreie Gleisverbindungen in Stelle, Lüneburg und Celle sowie Umbauten der dortigen Bahnhöfe. Auf freien Streckenabschnitten sollen Fernzüge bis zu 250 Kilometer pro Stunde fahren können. 

Gutachter verspricht Fahrzeit von einer Stunde 

Nach den Berechnungen des Gutachters Martin Vieregg könnten ICE-Züge Hamburg und Hannover in knapp 60 Minuten verbinden. Damit werde die im vierten Entwurf für den Deutschlandtakt vorgesehene Fahrzeit eingehalten. Auch die erwarteten Zugzahlen könnten bewältigt werden, sagte Vieregg. 

Die Kosten bezifferte er nach heutigem Preisstand auf rund drei Milliarden Euro. Würden ohnehin anstehende Arbeiten der Generalsanierung herausgerechnet, blieben nach seiner Schätzung gut zwei Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten. Für die Neubaustrecke veranschlagte er rund 8,8 Milliarden Euro. Kostenprognosen für große Infrastrukturprojekte sind mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. 

Auftraggeber: Jedes Modul bringt unmittelbar Verbesserungen 

Einen Termin für die Fertigstellung des gesamten Ausbaus nannte Vieregg nicht. Kleinere Module könnten seiner Einschätzung nach jeweils ungefähr drei Jahre Planung und drei Jahre Bauzeit benötigen. Die Auftraggeber sehen den Vorteil darin, dass jedes abgeschlossene Modul unmittelbar Verbesserungen bringen könne. 

Kritik kam vom niedersächsischen Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Dessen stellvertretender Vorsitzender bezeichnete die Studie als "alten Wein in neuen Schläuchen". Sie beruhe nach seiner Einschätzung auf veralteten Verkehrsprognosen und unrealistisch kurzen Haltezeiten im Nahverkehr. Als Ersatz für eine Neubaustrecke könne das Konzept daher nicht dienen, sagte der VCD-Vertreter. 

Das niedersächsische Verkehrsministerium bezeichnete die Studie dagegen als hilfreiche Quelle für weitere Lösungsansätze. Das Land könne daraus Hinweise für Maßnahmen übernehmen, die schon vor einer möglichen Fertigstellung der Neubaustrecke zusätzliche Kapazitäten schafften, sagte eine zuständige Referatsleiterin. 

Bestehende Strecke ist wichtiges Nadelöhr für Güterverkehr 

Niedersachsens Staatskanzlei lehnt die von der Bahn favorisierte Neubaustrecke bislang ab und fordert einen Ausbau der bestehenden Verbindung. Die Bahn hält den Neubau dagegen für erforderlich, um langfristig ausreichend Kapazität zu schaffen. 

Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe drängte unterdessen auf eine schnelle Entscheidung. Die bestehende Strecke sei ein wichtiges Nadelöhr für den Güterverkehr und nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums zu 147 Prozent ausgelastet. Unabhängig von der Entscheidung über die Neubaustrecke müssten kurzfristige Verbesserungen am Bestand zügig umgesetzt werden.
© dpa | Abb.: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben | 22.09.2026 14:32

Es gibt neue
Nachrichten bei schiene.de

Startseite neu laden