"Eine U-Bahn-Station unter Schutz zu stellen, ist auch für uns Denkmalpfleger nichts Alltägliches. Es ist eben nicht das Fachwerkhäuschen aus dem 18. Jahrhundert, wir sind hier in einer ganz anderen Zeitschicht unterwegs", sagt Dagmar Stallmann, Leiterin der Bochumer Denkmalbehörde der Deutschen Presse-Agentur.
Fast wie 1989 – nur ein Fahrkartenautomat ist verschwunden
Die Station mitsamt ihrer hell gestalteten Zwischenebene, den Auf- und Abgängen sowie dem Bahnsteig wurde im Jahr 1989 eröffnet – und ist bis heute nahezu im Originalzustand erhalten geblieben, wie Stallmann schildert. Nur ein alter Fahrkartenautomat ist verschwunden.
Fahrgäste, die hier aussteigen, kommen zum Deutschen Bergbau-Museum mit seinem hoch aufragenden Förderturm. Das Thema Bergbaugeschichte spiegelt sich daher auch in der Gestaltung der Station: So sind die Wände der Bahnebene mit stilisierten Kohleflözen durchzogen, die schwarz-weißen Fliesen an den Zugängen erinnern an eine Waschkaue, teilweise ist Naturstein verbaut, der an Kohle erinnert.
Das Bauwerk war im Zuge eines Erfassungsprojektes in Zusammenarbeit mit dem Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität als bedeutsames Bauwerk der jüngeren Stadtgeschichte identifiziert worden. Am kommenden Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, soll formal die dazugehörige Denkmalplakette überreicht und angebracht werden, teilt die Stadt mit.
Ingenieurskunst aus dem Bergbau in Anwendung
Die Bergbauvergangenheit spiegelt sich auch in der Entstehung der U-Bahn selbst: "Wir haben es hier mit einem Ingenieurbauwerk zu tun, das erstmalig überhaupt in bergmännischer Bauweise errichtet wurde", sagt sie. Bis dahin seien U-Bahnen in offener Bauweise, also von oben durch die Straße gebaut worden. Die U35 entstand mit dem Wissen und Können der Ingenieure aus dem Bergbau als unterirdischer Tunnel mit zwei Röhren.
Statisch seien so die weiten und vergleichsweise lichten Öffnungen nach oben erst möglich gemacht worden, schildert Stallmann. Das wirke viel freundlicher und habe "weniger was von diesen Angsträumen, die U-Bahnen ja manchmal sind."
Perspektivisch sollen noch weitere Stationen entlang der Linie U35 auf ihren Denkmalwert hin untersucht werden, berichtet Stallmann. Die U-Bahn-Strecke als Ganzes, die im Ruhrgebiet Herne und Bochum miteinander verbindet, steht dabei auch für einen geplatzten Traum: Ende der 1960er Jahre planten die Städte im Ruhrgebiet ein gemeinsames U- und Stadtbahnnetz. "Doch das scheiterte an Kosten und anderen Dingen, bis jede Stadt am Ende wieder ihr eigenes Süppchen kochte", sagt Stallmann. Als einzige interkommunale, unterirdische Verbindung wurde die Linie U35 realisiert.
Mit ihrer späteren Verlängerung vom Hauptbahnhof zur Universität ist die U35 heute Ausdruck des enormen Wandels der Stadt vom Bergbau- zum Dienstleistungs- und Wissensstandort: Während von Pferden gezogene Omnibusse Ende des 19. Jahrhunderts rund 200 Menschen transportierten, sind es heute 85.000, die an jedem Werktag von Stadt zu Stadt, zur Uni oder zwischen Quartier und Arbeitsstelle auf der Linie unterwegs sind.
Für die vielen Fahrgäste ändere der Schutzstatus erst einmal nichts, betont Stallmann: "Denkmalschutz heißt nie Käseglocke. Wenn die Station zukunftsfähig gemacht werden muss – etwa bei Themen wie Brandschutz oder Barrierefreiheit – kann das in Einklang mit dem Denkmalschutz gebracht werden", sagt Stallmann.
© dpa | Abb.: IMAGO / Zoonar | 10.09.2026 07:59







