Schleswig-Holstein
07:06 Uhr   UPDATE 

Kommt nun der zweigleisige Ausbau zwischen Niebüll und Sylt?

Störungen, volle Züge und lange Wartezeiten: Pendler hoffen, dass der zweigleisige Ausbau der Marschbahnstrecke nach Sylt endlich Fahrt aufnimmt. Doch der Baustart könnte noch Jahre dauern.
RE 6 mit Baureihe 245 der DB Regio bei der Einfahrt in Westerland (Sylt)
RE 6 mit Baureihe 245 der DB Regio bei der Einfahrt in Westerland (Sylt), © Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Der Dauerbrenner Marschbahn beschäftigt nun auch den Bundestag: Am Donnerstag entscheidet das Parlament über Empfehlungen des Bundes zur Umsetzung von drei Bahnprojekten, darunter der zweigleisige Ausbau der Marschbahnstrecke zwischen Niebüll und Westerland. Konkret geht es um die Abschnitte Niebüll – Klanxbüll (13 Kilometer) auf dem Festland sowie Morsum – Tinnum auf Sylt (6 km). Auf dem Bahndamm durchs Watt fahren die Züge bereits seit knapp 55 Jahren zweigleisig.

Die Diskussion um den Ausbau der restlichen Strecke zwischen Niebüll und Westerland ist ein Dauerbrenner. In der Region wird seit rund 30 Jahren der Bau eines zweiten Gleises gefordert. "Die Marschbahn ist die Lebensader Sylts – für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Unternehmen, Versorgung und Millionen Gäste. Solange wir kurz vor Sylt eingleisige Engpässe haben, bleibt jede Störung ein Dominoeffekt", sagt der Geschäftsführer des Nordsee-Tourismus-Service, Frank Ketter, der Deutschen Presse-Agentur.

Tausende Menschen pendeln täglich zu ihrem Arbeitsplatz auf die Insel. Sie leiden unter den erheblichen Verspätungen auf der Strecke und übervollen Zügen. Die Betriebe auf Sylt stellten schon vor Jahren eine Abwanderung von Fachkräften fest. 

Die eingleisige Strecke ist stark überlastet. Personenzüge müssen bei entgegenkommenden Zügen immer wieder warten. Zudem sind die Gleise durch zwei Autozug-Anbieter ohnehin sehr belastet. 

Im aktuellen Prüfbericht des Eisenbahn-Bundesamtes heißt es, "die Kapazität der Strecke (...) ist im Abschnitt zwischen Niebüll und Westerland (Sylt) derzeit nahezu vollständig erschöpft". Ohne den zweigleisigen Ausbau sei eine Kapazitätserhöhung für zusätzliche Angebote auf der Schiene sowie eine Steigerung der Betriebsqualität nicht möglich.

Madsen dringt auf raschen Ausbau

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) sagt: "Für Sylt ist die Strecke die zentrale Lebensader zum Festland – für Beschäftigte, Gäste, Wirtschaft und Versorgung." Der Ausbau stärke nicht nur die Insel, sondern den gesamten Wirtschafts- und Tourismusstandort. "Quasi alle Menschen reisen mit der Bahn von und nach Sylt. Hakt es beim Zugverkehr, hakt es auf der ganzen Insel." Lehrer und Krankenschwestern kämen nicht zum Dienst oder könnten ihre Kinder nicht mehr rechtzeitig von der Kita abholen. "Leben und insbesondere Arbeiten auf der Insel wird unattraktiv."

Von der Zweigleisigkeit erhofft sich Madsen mehr Verlässlichkeit. "Züge können sich künftig besser begegnen, Verspätungen übertragen sich weniger stark und der Fahrplan wird stabiler." Für Pendlerinnen und Pendler bedeute das mehr Planungssicherheit, für die Insel bessere Erreichbarkeit.

 

Premiere für den ICE L: Erstmals wurde ein Zug der jüngsten ICE-Generation getauft – auf den Namen „Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.“ An der Taufzeremonie im Bahnhof Westerland anlässlich der offiziellen Betriebsaufnahme mit dem ICE L zwischen Sylt und Hamburg nahmen die DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck, Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und Nationalparkleiterin Franziska Junge teil. Der Zug wurde stilecht mit Nordseewasser getauft., © Deutsche Bahn AG / Dirk Wittmann
 

Beratung bedeutet weder direkt Geld noch Baustart

Doch selbst wenn der Bundestag für die Beschlussvorlage stimmt, ist dies nur ein Zwischenschritt und bedeutet nicht, dass sofort die Bagger anrollen. Vielmehr beginnt im Anschluss an die Befassung die sogenannte Planungsphase 3-4 und damit das Planfeststellungsverfahren. Erst danach wird gebaut. Das kann noch viele Jahre dauern.

Im Mai 2025 ging die Landesregierung in Vorkasse, um den Ausbau zu beschleunigen. Das Land übernahm die Vorfinanzierung der Planungen in Höhe von mehreren Millionen Euro, die später von der Bahn erstattet werden sollen. Bisher ist kein Geld im Bundeshaushalt für das Projekt vorgesehen. Die Gesamtkosten werden auf 426 Millionen Euro geschätzt. Als Baubeginn ist laut Bahn-Infrastruktursparte InfraGO der Sommer 2032, die Inbetriebnahme Ende 2039 geplant.

Touristiker hoffen auf früheren Baustart

"Die Strecke ist heute schon überlastet, und ein voll wirksamer Ausbau erst gegen Ende der 2030er Jahre wäre den Menschen in der Region schwer zu vermitteln", sagt Geschäftsführer Ketter. Pendelnde und Gäste bräuchten unabhängig vom Ausbau bereits heute spürbare Verbesserungen. "Dazu gehören stabilere Abläufe, besseres Störungsmanagement, planbare Bauphasen und eine verlässliche, digitale Fahrgastinformation."

Menschen auf Sylt sind auf Bahn angewiesen

"Die Marschbahn ist nicht irgendein Infrastrukturprojekt, sondern die unverzichtbare Lebensader Sylts", sagt Sylts Bürgermeisterin Tina Haltermann (parteilos). "Eine positive Entscheidung des Bundestages zum zweigleisigen Ausbau wäre deshalb ein wichtiges Signal für die Zukunft Sylts und der gesamten Westküstenregion." Die Menschen auf Sylt seien täglich auf eine verlässliche Bahn angewiesen. "Dauernde Verspätungen und Störungen dürfen nicht länger zum Normalzustand gehören."

Achim Bonnichsen von der Pendlerinitative sagt: "Auf alle Fälle können wir bis 2032 nicht mehr warten. Bis dahin wird das hier zu massiver Abwanderung von Pendlern auf der Insel führen." Die Situation werde von Tag zu Tag schwieriger. "Der zweigleisige Ausbau ist natürlich ganz wichtig für uns, damit wir dann keine Zugausfälle und keine Verspätung mehr haben und eine zuverlässige Zugverbindung nach Sylt - und das Leben für uns Pendler und alle, die auf die Insel wollen, erträglicher, schöner und einfacher wird."

Für Ronald Glauth vom Verein Sylter Unternehmer ist die Bahnanbindung ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität des Wirtschafts- und Tourismusstandortes. "Die hohe Bedeutung des Streckenabschnittes für die gesamte Region wurde in Kiel, aber offensichtlich auch in Berlin verstanden."
© Birgitta von Gyldenfeldt, Lea Albert und André Klohn, dpa | Abb.: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben (Symbolbild) | 20.05.2026 05:41

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