Allianz pro Schiene
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Lokführer muss als Engpassberuf eingestuft werden

In den kommenden Jahren werden Tausende neue Lokführerinnen und Lokführer gebraucht. Die Branche fordert nun Änderungen bei der Einstufung des Berufs.
Female ICE
Initiiert vom Netzwerk "Frauen bei der Bahn" ist 2022 der Female ICE mit rein weiblichem Personal gefahren, © Deutsche Bahn AG / Anastasia Schuster
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Angesichts des hohen Bedarfs an neuen Lokführerinnen und Lokführern fordert der Interessenverband Allianz pro Schiene eine Einstufung des Jobs als sogenannter Engpassberuf. Derzeit werde der Beruf des "Triebfahrzeugführers Eisenbahnverkehr" von der Bundesagentur für Arbeit lediglich "unter Beobachtung", nicht aber als Engpassberuf eingestuft, heißt es in einem Positionspapier, das der Verband am Mittwoch vorstellen will und das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Diese Einstufung trifft in der Branche auf Unverständnis. Wir plädieren entsprechend für eine Überprüfung der Einstufung", schreibt die Allianz darin. 

Zudem brauche es mehr Fördermöglichkeiten für Quereinsteiger in diesen Bereich. Für eine entsprechende Weiterbildung vergeben die Jobcenter demnach sogenannte Bildungsgutscheine. Doch diese bekämen derzeit nur Menschen, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Die Allianz pro Schiene fordert die Gutscheine generell für "motivierte Quereinsteigende". 

Der Verband geht davon aus, dass es in den nächsten Jahren 5000 bis 10 000 zusätzliche Lokführerinnen und Lokführer pro Jahr braucht, um die geplante Verkehrsverlagerung auf die Schiene zu stemmen. In den vergangenen Jahren bis einschließlich 2022 waren es pro Jahr lediglich 1000 bis 2000 neue Beschäftigte in diesem Bereich, wie die Allianz pro Schiene auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit ermittelt hat. 

Der Anfang dieser Woche geschlossene Tarifabschluss zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) werde den Beruf zwar attraktiver machen, den Bedarf an Mitarbeitenden aber auch erhöhen, teilt der Verband weiter mit. "Im Wettbewerb um die Fachkräfte mit anderen Branchen können flexiblere Arbeitszeiten ein echter Vorteil sein, um Personal für die Bahnbranche zu gewinnen", sagte der Geschäftsführer der Berufsplattform "Schienenjobs", Jürgen Grenz. "Insbesondere bei jungen Menschen können wir so noch viel stärker für den Beruf des Lokführers und der Lokführerin werben. Wir stehen hier vor einer großen Chance."

Bahn und GDL hatten sich insbesondere auf eine Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von derzeit 38 auf 35 Stunden in mehreren Schritten bis 2029 in Form eines Arbeitszeitwahlmodells geeinigt. Wer die Reduzierung mitgehen will, bekommt weiter das gleiche Gehalt. Wer hingegen bei seiner Arbeitszeit bleibt oder sogar mehr arbeiten will, der bekommt auch mehr Geld. 

"Die Tarifeinigung bedeutet, dass Bahnfahren wieder deutlich planbarer wird und man nicht auf alternative Verkehrsmittel ausweichen muss", teilte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, mit. "Die Einigung ist außerdem ein Signal in Richtung Verkehrswende: Der Job des Lokführers und der Lokführerin wird attraktiver."
© dpa | Abb.: Deutsche Bahn AG / Anastasia Schuster | 27.03.2024 05:51

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