Hessen hat als erstes Bundesland die Grundlagen für den Einsatz von KI in der Polizeiarbeit geschaffen. Das ist Teil einer Novelle des hessischen Polizeirechts, die am 2. Februar in Kraft trat. Seit 10. Juli wird KI bei Videoanlagen probeweise im Frankfurter Bahnhofsviertel eingesetzt. "Hessen ist bundesweit Vorreiter", sagte Poseck. "Die hessische Polizei leistet damit Pionierarbeit."
50 Kameras im Bahnhofsviertel
Der Einsatz von KI bei der Überwachung des öffentlichen Raums ist eng umrissen, wie Poseck erläuterte: Örtlich ist er auf das Bahnhofsviertel beschränkt, wo 50 Kameras fest installiert sind. Inhaltlich wird KI derzeit nur eingesetzt bei der Suche nach Vermissten oder terroristischen Gefährdern. Für jede Suche muss ein richterlicher Beschluss vorliegen.
Gesichtserkennung mit KI sei zugegebenermaßen "ein sensibler Bereich", sagte Poseck. "Niemand will chinesische Verhältnisse." Weder werde dafür die umstrittene Software Palantir genutzt, noch würden die Bilder mit der Polizeiplattform Hessendata verknüpft.
"Es gibt Bereiche, wo die KI eben mehr kann als der Mensch", sagte Poseck. Es gehe nicht darum, Polizistinnen und Polizisten zu ersetzen - "es geht darum, die Effizienz zu erhöhen und die Reaktionszeit zu verkürzen". Alle Entscheidungen würden weiter von Menschen getroffen.
Wo KI besser ist
Die Videowand im Frankfurter Polizeipräsidium, auf der die Kamerabilder aus dem Bahnhofsviertel laufen, "gleicht einem Wimmelbild", sagt Projektleiter Simon Karlsson. Mit bloßem Auge darauf eine gesuchte Person zu erkennen, sei kaum möglich. Seit 10. Juli kann die Polizei Fotos hochladen und die KI suchen lassen.
Erkennt die KI eine Ähnlichkeit zwischen dem Fahndungsbild und einer Person auf einer der Kameras, meldet sie einen Treffer. Die Polizisten beurteilen den Fall und können gegebenenfalls eine Streife losschicken. "Mit dieser Geschwindigkeit und Genauigkeit ist das für Menschen nicht möglich", sagte Karlsson.
Nächster Schritt: Waffen
700.000 Euro hat Hessen in die Technik bisher investiert, sagte der Vizepräsident des Technik-Präsidiums, Bodo Koch. Seit der Einführung gab es ihm zufolge acht Fälle, die für den Einsatz von KI in Frage gekommen wären. In einem Fall habe es sich um einen Terrorverdacht gehandelt, der Rest waren Vermisstenfälle - zum Beispiel junge Frauen, die aus Jugendhilfeeinrichtungen verschwunden sind und die davor bewahrt werden sollen, im Bahnhofsviertel in Prostitution oder Drogenabhängigkeit zu geraten.
Im nächsten Schritt soll die KI im Frankfurter Bahnhofsviertel auch Waffen erkennen, kündigten Poseck und Koch an. Perspektivisch soll KI auch bei Kameras außerhalb des Bahnhofsviertels und in ganz Hessen eingesetzt werden. Das aber werde dauern.
Polizisten finden es gut, Grüne weniger
Die Gewerkschaft der Polizei findet eine KI-gestützte Überwachung im Frankfurter Bahnhofsviertel "folgerichtig und notwendig". Der Kriminalitätshotspot werde damit sicherer gemacht.
Die Grünen-Fraktion klagt vor dem Staatsgerichtshof in Wiesbaden gegen das von Schwarz-Rot beschlossene sogenannte Sicherheitspaket in Hessen, zu dem auch das KI-Videoschutz-Projekt in Frankfurt gehört.
Poseck sieht der Entscheidung gelassen entgegen. Andere Bundesländer zeigten reges Interesse an dem hessischen Pilotprojekt. In Niedersachsen - einem Land mit rot-grüner Landesregierung - werde gerade ein entsprechender Gesetzesentwurf diskutiert.
© dpa | Abb.: Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont (Symbolbild) | 29.08.2025 05:32