Kollision mit Lkw
13:16 Uhr

Nach Unfall in Polen: Züge bummeln für mehr Sicherheit

Jeder zweite Tag ein Unfall: Polnische Lokführer warnen vor riskanten Bahnübergängen. Aus Protest wollen sie ihre Züge einen Tag lang in Fahrradgeschwindigkeit über die Übergänge fahren lassen.
Zugunglück in Polen am 09.09.2026
Zugunglück in Polen am 09.09.2026, © Policja Mazowsze
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Nach dem schweren Zugunglück in Polen mit einer Toten und mehreren Verletzten hat die Lokführergewerkschaft ihre Mitglieder zu einer Protestaktion für mehr Sicherheit auf der Schiene aufgerufen. Von Freitag Null Uhr bis Mitternacht sollen die Lokführer ihre Züge mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde über jeden Bahnübergang fahren lassen, sagte Gewerkschaftschef Leszek Mietek. Landesweit sei mit großen Verspätungen im Bahnverkehr zu rechnen.

Am Mittwoch war der Fahrer eines Betonmischers auf einen unbeschrankten Bahnübergang eingefahren und in den ersten Waggon eines Intercitys gekracht. Die Lokomotive und alle sechs Waggons entgleisten. Bei dem Unglück rund 125 Kilometer südwestlich von Warschau kam eine 39 Jahre alte Frau aus Lublin ums Leben, wie eine Polizeisprecherin am Donnerstag der Nachrichtenagentur PAP sagte. Zehn Personen kamen demnach mit Verletzungen ins Krankenhaus, darunter auch der Lokführer und der Lkw-Fahrer.

Debatte über Sicherheit des Bahnverkehrs in Polen

Das Unglück hat in Polen eine Debatte über die Sicherheit des Bahnverkehrs ausgelöst. In dem EU-Land gibt es auch auf Hauptstrecken noch Bahnübergänge, die nur mit einem Andreaskreuz und Signalen gesichert sind. "Für uns war der Unfall gestern keine Überraschung, wenn man bedenkt, dass wir statistisch gesehen jeden zweiten Tag einen Unfall an einem Bahnübergang haben", sagte Gewerkschaftsführer Mietek. Während es 2024 rund 140 Unfälle an Bahnübergängen gegeben habe, seien es im vergangenen Jahr etwa 180 gewesen.

Infrastrukturminister Dariusz Klimczak kündigte höhere Strafen für Verkehrsvergehen an Bahnübergängen an. Autofahrer, die dabei erwischt werden, wie sie trotz rotem Blinklicht auf einen Bahnübergang fahren, sollen künftig für drei Monate ihren Führerschein abgeben müssen. Wer durch solches Verhalten einen Unfall verursacht, dem soll nach den Plänen der Regierung neben drei Jahren Führerscheinentzug auch noch eine Gefängnisstrafe drohen.
© dpa | Abb.: Policja Mazowsze | 10.09.2026 13:16

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