SVT Görlitz
07:09 Uhr

Restaurierter DDR-Prestigezug: Zweite Probefahrt geplant

Eine erste Probefahrt über 80 Kilometer verlief nicht mangelfrei, aber aus eigener Kraft. Wo steht das Projekt um den historischen Schnelltriebwagen SVT Görlitz jetzt?
Dieseltriebwagen der Baureihe VT 18.16
Dieseltriebwagen der Baureihe VT 18.16 (auch bekannt als VT 175 und BR 675), © Andreas Steinhoff (Archiv)
Der restaurierte DDR-Schnellzug SVT Görlitz soll nach den Erfahrungen der ersten Probefahrt zum zweiten Mal auf Tour gehen. Der "Leipziger Volkszeitung" (Freitag-Ausgabe) sagte der Geschäftsführer der SVT Görlitz gGmbH, Mario Lieb: "Demnächst wollen wir eine zweite Probefahrt antreten, dann mit höherer Geschwindigkeit". Noch unklar sei aber, wann die offizielle Eröffnungsfahrt stattfinden kann. Unter anderem gestiegene Dieselpreise werfen bisherige Kalkulationen über den Haufen.

Die erste Probefahrt Anfang März sei, wie zu erwarten, nicht mangelfrei verlaufen. "Aber der Zug ist die 80 Kilometer aus eigener Kraft und ohne größere Schäden oder Störungen gefahren. Das ist eine große Leistung für alle, die mitgewirkt haben. Motoren, Getriebe, Räder, Elektrik, Innenausstattung - alles musste aufgearbeitet werden." Undichte Stellen an Ölleitungen und Kühlkreisläufen, Justierungen an Drehgestellen, Arbeiten an einer Abgasanlage seien nötig gewesen. "Großteils ist alles schon erledigt", sagte Lieb.

DDR-Prestigezug für internationalen Verkehr

Der SVT Görlitz galt einst als Prestigezug der Deutschen Reichsbahn im internationalen Verkehr. Mit seiner stromlinienförmigen Front und der markanten Nase war er zur Bauzeit ein technisches Novum. Acht Züge dieses Typs wurden zwischen 1963 und 1968 gebaut, nur drei sind heute noch in Teilen erhalten. Der Schnelltriebwagen war für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde zugelassen. Der Zug verband einst unter anderem Berlin mit Prag und Wien.

Millionen Euro flossen in die Restaurierung

Die Bahn-Enthusiasten hatten Fördermittel und Spenden gesammelt und in die Restaurierung viel Eigenleistung eingebracht - in der Summe etwa sieben Millionen Euro. Es blieben aber noch Wünsche offen, so Lieb: "Was uns nicht gelungen ist: einen langfristigen Kooperationspartner zu finden, gerade auch mit Blick auf den künftigen Betrieb."

Für die Zukunft gebe es ein Konzept und eine Kalkulation. Ob die in der Realität Bestand hätten, müsse sich zeigen. "Aber schauen Sie jetzt nur auf die Dieselpreise. Kalkuliert haben wir zuletzt mit 1,60 Euro pro Liter, das ist jetzt unrealistisch." 

Um wirtschaftlich zu sein, müsse der Zug 50 Mal im Jahr fahren mit je 200 Fahrgästen. "Es soll ein Reiseerlebnis für jeden werden. Ziel ist, auch Menschen anzusprechen, die zum Beispiel sagen: Ich will einen schönen Tag mit der Familie verbringen und mich nicht ins Auto setzen. Wir wollen Kultur reinbringen. Wenn alles klappt, fahren wir mit der Band Keimzeit zu einer Konzertreise nach Cottbus."
© dpa | Abb.: Andreas Steinhoff (Archiv) | 17.04.2026 07:09

Es gibt neue
Nachrichten bei schiene.de

Startseite neu laden