Die schwarz-grüne Landesregierung war 2025 in Vorleistung gegangen. Sie will den Ausbau der sogenannten Marschbahn zwischen Niebüll auf dem Festland und Westerland auf der Nordseeinsel mit der Vorfinanzierung der Planungen beschleunigen. Dabei geht es um Kosten in zweistelliger Millionenhöhe. Bereits in der Vergangenheit war der Norden einmal in Vorleistung gegangen. Das Geld bekommt das Land jedoch von der Bahn erstattet.
Verkehrsminister spricht von Tiefpunkt
Madsen appellierte an die Bundestagsabgeordneten, dem Ausbau der Strecke allerhöchste Priorität einzuräumen und finanziell abzusichern. "Wir haben im nördlichen Abschnitt zwischen Niebüll und Westerland mittlerweile einen Tiefpunkt erreicht, der nicht nur erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen hat, sondern auch den sozialen Frieden in der Region tangiert", sagte Madsen. Die Politik dürfe nicht länger zulassen, "dass Ärztinnen, Krankenpfleger oder Lehrer nicht mehr zuverlässig zur Arbeit kommen oder Schulkinder wegen ausfallender Züge stundenlang in eisiger Kälte ausharren müssen".
Seit 30 Jahren steht die Forderung im Raum, die 173 Kilometer lange Strecke von Itzehoe nach Sylt auszubauen und durch eine Elektrifizierung massiv Kosten zu senken. Planerisch angeschoben ist bereits der zweigleisige Ausbau zwischen Niebüll und Klanxbüll sowie zwischen Morsum und Tinnum auf Sylt.
Türen und Loks kaputt oder kein Personal
Madsen sorgt sich nur um die ruckelnde Erreichbarkeit von Sylt als eines der touristischen Top-Ziele Deutschlands. "Es geht darum, endlich die toxische Kombination aus museumsreifer Bahn-Technik und einer mit acht Zügen pro Stunde hoffnungslos überlasteten und größtenteils eingleisigen Strecke in den Griff zu bekommen."
Betroffene sprächen zu Recht von einem "Nahverkehrs-Desaster", wenn die Pünktlichkeit – wie zuletzt im Oktober – teils unter 40 Prozent liege und viele Züge wegen kaputter Loks, defekter Türsteuerungen oder Personalmangel einfach ausfielen, sagte Madsen. "Keine Dachdeckerin, kein Maurer oder Koch nimmt den Umweg über Dänemark und die Fähre nach List oder landet mit einem Privatjet auf der Insel."
Schleswig-Holstein fordert, dass der Bundestag die Finanzierung des schätzungsweise 426 Millionen Euro teuren zweigleisigen Ausbaus verbindlich beschließt und dieser im Zielnetz 2035 des Bundesverkehrsministeriums zeitlich fixiert wird. Zudem müssten der Ausbau priorisiert sowie die Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Die Bundesregierung hat einen Vorstoß des Landes, die Marschbahn in die Liste der besonders wichtigen Infrastrukturmaßnahmen aufzunehmen, aber bereits zurückgewiesen.
© dpa | Abb.: Deutsche Bahn AG / Sylt Shuttle (Archiv) | 06.03.2026 12:52







