125 Jahre
05:52 Uhr

Freifahrt und Bürgerfest – Wuppertal feiert die Schwebebahn

Betriebsstart ohne Brimborium. Vor 125 Jahren startete die Schwebebahn im Tal der Wupper in einer Zeit des rasanten Wachstums. Zum Jubiläum haben die Stadtwerke und die Stadt Wuppertal einiges vor.
Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn
Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn, © Wuppertaler Stadtwerke
Die einzigartige Wuppertaler Schwebebahn hat vor 125 Jahren ohne Brimborium und zur Überraschung der Menschen ihren Betrieb aufgenommen. Keine Ankündigung, keine Einweihungsfeier, kein symbolischer Knopfdruck oder Banddurchschneiden mit großem Bahnhof. Zum Jubiläum können Fahrgäste am Samstag (28. Februar) und Sonntag (1. März) kostenlos mit der Schwebebahn fahren. Für den Spätsommer ist ein Bürgerfest geplant. 

"Die Schwebebahn ist ohne Sang und Klang heute Morgen dem Verkehr freigegeben worden", berichtete die "Barmener Zeitung und Handelsblatt" zum 1. März 1901. Der allererste Wagen war demnach nur mit ein paar Personen besetzt, "weil das Publikum gar keine Ahnung von der Eröffnung hatte". Das änderte sich im Tagesverlauf aber, viele Menschen mussten warten. "Einmal wurde das Gedränge so stark, daß eine große Scheibe eingedrückt wurde". 

Herzstück des öffentlichen Nahverkehrs mit über 80.000 täglichen Fahrgästen, denkmalgeschütztes Wahrzeichen mit etwa so vielen verbauten Gerüstnieten wie im Eiffelturm und Magnet für schätzungsweise Hunderttausende Touristen aus aller Welt: Die Schwebebahn ist nicht nur das zentrale Verkehrsmittel für die rund 365.000 Einwohner zählende Stadt. "Unsere Schwebebahn ist die Seele unserer Stadt", sagte Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) kürzlich. 

Die Schwebebahn entstand in einer Zeit des rasanten Wachstums im Wuppertal und ist einige Jahre älter als die spätere Stadt Wuppertal. Wenn man Elberfeld und Barmen zusammenzählt, war es die achtgrößte Stadt im Deutschen Kaiserreich knapp hinter Köln und deutlich vor Düsseldorf oder auch Essen, wie Juniorprofessorin Anne Sophie Overkamp von der Bergischen Universität Wuppertal erklärt. Die Bevölkerung wuchs von 1880 bis 1900 um 100.000 auf fast 300.000 Einwohner. 

"Das war eine Zeit, in der man Stadtmobilität neu denken musste", sagt Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing. Angesichts des engen Tals, verstopfter Straßen, eines felsigen Untergrunds und der Hochwassergefahr fiel die Wahl auf das neuartige Schwebebahnsystem des Kölner Ingenieurs und Fabrikanten Eugen Langen. Die letztlich gut 13 Kilometer lange Trasse verläuft zumeist über der Wupper, an deren Ufer die Stützen für den Fahrweg stehen. 

Die ersten Passagiere der Schwebebahn waren Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria bei einer Testfahrt am 24. Oktober 1900 Monate vor der Eröffnung. Der sogenannte Kaiserwagen soll ab Mai 2026 nach jahrelangem und millionenschwerem Umbau für Sonderfahrten wie Hochzeiten bereitstehen. Genau genommen sind es die Wagen 5 und 22 der ersten Baureihe 1900. Ob der Monarch mit einem der beiden Wagen gefahren ist, ist nicht verbürgt. 

Gefeiert wurde im Jahr 1901 doch noch im Mai zur Freigabe eines weiteren Teilabschnittes. Die Bau- und Betriebsgesellschaft arrangierte eine größere Festlichkeit für geladene Gäste, wie die "Barmer Zeitung und Handelsblatt" berichtete. Der Gastgeber ging in seinem Vortrag auf mögliche Projekte für elektrische Schnellbahnen ein, "wobei er dem Schwebebahnsystem gegenüber dem Standbahnsystem für eine Bahn Berlin-Hamburg den Vorzug gab". 

Hoffnungen auf solche Folgeprojekte für das System von Eugen Langen, der fünfeinhalb Jahre vor der Inbetriebnahme der Schwebebahn starb, erfüllten sich nicht. In den europäischen Metropolen rückten U-Bahnen in den Fokus, auch in Berlin. Nach dem System Langen ging in Dresden am 6. Mai 1901 eine Bergbahn in Betrieb, mehr Projekte wurden nicht umgesetzt. So war auch eine Reise eines Langen-Nachfahrens nach Rio mit Ziel Zuckerhut nicht erfolgreich.

 

Generation 15 der Wuppertaler Schwebebahn, © WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH
 

Das Schwebebahn-Museum Schwebodrom, das auch eine Zeitreise durch die Mobilitätsgeschichte und die Stadtentwicklung bietet, besuchten seit der Eröffnung im Oktober 2023 etwa 100.000 Gäste. Ein fester Bestandteil der Ausstellung ist der unglaubliche Sturz des Elefanten Tuffi am 21. Juli 1950 aus der fahrenden Schwebebahn in die Wupper. Das junge Zirkustier war bei einer Werbefahrt in Panik geraten. Es überlebte den Fall aus etwa zehn Metern Höhe.

Bis zum 12. April 1999 hatte die Wuppertaler Schwebebahn den Ruf als das sicherste Verkehrsmittel der Welt. Bei Bauarbeiten am Gleis wurde eine 100 Kilogramm schwere Eisenkralle vergessen. Der Frühzug entgleiste und stürzte acht Meter tief in die Wupper. Fünf Menschen starben, 47 wurden verletzt.
© Volker Danisch, dpa | Abb.: Wuppertaler Stadtwerke | 23.02.2026 05:52

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