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Lokführer gesucht: Großer Personalbedarf im Nahverkehr

Sie fehlen vielerorts bereits: Doch um die Mobilitätswende zu schaffen, brauche es künftig noch mehr Lokführer, Bus- und Straßenbahnfahrer, so der zuständige Verband. Gute Erfahrungen mit gemeinsamer Personalakquise machen Eisenbahnunternehmen in NRW.
Desiro HC des Rhein-Ruhr-Express (RRX)
Desiro HC des Rhein-Ruhr-Express (RRX), © Kompetenzcenter Marketing NRW (KCM, Symbolbild)
In Nordrhein-Westfalen werden in den kommenden zehn Jahren Zehntausende Bus- und Straßenbahnfahrer sowie Lokführer gebraucht. "Es gibt zur Zeit kaum ein kommunales Verkehrsunternehmen, dem nicht Bus oder Straßenbahnfahrer fehlen, besonders in den Ballungsräumen, wo die Konkurrenz noch größer ist", sagte Volker Wente, Landesgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) der Deutschen Presseagentur.

Für den gesamten öffentlichen Nahverkehr im Land braucht es nach Schätzungen des VDV bis 2030 rund 25 000 Fachkräfte, um die Mobilitätswende zu bewältigen, zusätzlich müssten bis zu 20 000 Stellen altersbedingt wiederbesetzt werden. Allein in den Triebfahrzeugen der Bahnen in Nordrhein-Westfalen werden nach Angaben des Zusammenschlusses der Eisenbahnunternehmen "Fokus Bahn NRW" in den kommenden drei Jahren 1200 Lokführer gesucht - rund 400 gehen jährlich in Ruhestand.

"Die Belegschaften in den ÖPNV-Unternehmen sind vergleichsweise alt, weil viele ihr ganzes Berufsleben einem Arbeitgeber treu waren. Nun gehen viele in den Ruhestand", sagte Wente. Verschärft werde der immense Personalbedarf durch den politisch gewollten Zuwachs der Verkehre: "Wenn Busflotten wachsen und Verbindungen ausgebaut werden sollen, brauchen sie natürlich mehr Fahrer", so Wente. "Die Zeiten in denen Bewerber in Scharen kommen, sind einfach vorbei. Die kommunalen Unternehmen müssen in der Personalakquise einfach besser und aktiver werden."

Es gelte nun für die Berufe im ÖPNV gemeinsam zu werben, unterstrich der Verbandsvertreter. Die Berufe hätten bei vergleichsweise kurzer Ausbildungszeit ein ordentliches Gehalt und eine hohe Jobsicherheit zu bieten. "Als Busfahrer hat man den ganzen Tag keinen Chef vor der Nase", sagte Wente. Viele Unternehmen böten zudem auch flexible Teilzeitmodelle, die der Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegenkämen.

Er sei zuversichtlich, dass der Bedarf zu decken sei: "Solange die Paketbranche mit ihren schwierigen Arbeitsverhältnissen immer noch Leute findet, muss es möglich sein, für so sichere und durchaus attraktive Jobs wie hinter dem Steuer eines Busses ausreichend Personal zu finden. Es wird allerdings größere Anstrengungen brauchen als bisher."

Gute Erfahrungen mit verstärkten und unternehmensübergreifenden Anstrengungen macht die Bahnbranche: Wegen einer Bewerberlücke von einigen Hundert Lokführern im Jahr 2019 und eines hart geführten Wettbewerbs um geeignete Kandidaten gehen die Eisenbahnunternehmen seit einiger Zeit mit einer gemeinsamen Initiative auf Suche.

Mit dem Start einer gemeinsamen Bewerberplattform im Sommer erreiche man monatlich rund 400 Interessenten für den Beruf des Triebfahrzeugsführers und habe 2021 alle Ausbildungsstellen qualifiziert besetzen können, sagte Barbara Tünnemann, Sprecherin des zuständigen Programmbüros "Fokus Bahn".

Auch viele Quereinsteiger aus Gastronomie und Handel wurden den Angaben zufolge gewonnen. Pilotkurse zur Integration von Flüchtlingen und Migranten haben 50 Personen in Ausbildung gebracht - 20 von ihnen haben die Qualifizierung bis jetzt erfolgreich abgeschlossen und eine Festanstellung gefunden. Auch der Frauenanteil habe sich von 7,4 im Vorjahr auf 14 Prozent 2021 fast verdoppelt.
© dpa | Abb.: Kompetenzcenter Marketing NRW (KCM) | 01.01.2022 08:57

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