Brandbrief
14:06 Uhr

Bayern protestiert wegen vieler Bahnstörungen

Baustellen, Streckensperrungen, Langsamfahrstellen: Störungen bei der Bahn verärgern die Fahrgäste - und die Politik. Bayerns Verkehrsminister hat nun einen Brandbrief geschrieben.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, © StMB/Schacht (Archiv)
Bayern schlägt wegen immer mehr Streckensperrungen und Langsamfahrstellen bei der Deutschen Bahn Alarm. In einem Brandbrief an Infrastrukturvorstand Philipp Nagl nennt Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) die Lage besorgniserregend und eine Zumutung - und fordert Abhilfe.

Im letzten Halbjahr sei allein die Zahl der Langsamfahrstellen im Freistaat von 100 auf rund 120 angestiegen. Nimmt man mängelbedingte Streckensperrungen hinzu, könne mittlerweile auf 45 Linien des Schienenpersonennahverkehrs in Bayern nicht mehr der reguläre Fahrplan gefahren werden, klagt Bernreiter.

"Die Lage ist besorgniserregend und eine Zumutung für Fahrgäste und Eisenbahnverkehrsunternehmen im Bahnland Bayern", schreibt der Verkehrsminister. Die Sanierung von Hochleistungskorridoren sei wichtig. Aber das bedeute nicht, dass der Verkehr in der Fläche so stark vernachlässigt werden dürfe. Die Bahn müsse schnellstmöglich einen nachvollziehbaren Masterplan mit konkreten Schritten vorlegen, wie die Langsamfahrstellen im Freistaat zügig und nachhaltig reduziert werden könnten, fordert Bernreiter.

Bernreiter: Gegenleistung stimmt nicht

Vor allem im Freistaat bekomme die DB InfraGO AG das Problem mit den Langsamfahrstellen nicht in den Griff. "Wir zahlen im bayerischen Nahverkehr jährlich über 900 Millionen Euro Trassenentgelte, sind damit der größte Finanzgeber für die Instandhaltung der DB, und die DB will rückwirkend und künftig sogar noch mehr Trassenpreise von uns. Und dafür bekommen wir aber mit die schlechteste Gegenleistung. Das passt hinten und vorne nicht."

Bei den aktuell betroffenen 45 Linien gelten laut Verkehrsministerium entweder Notfahrpläne mit Schienenersatzverkehr, reduziertem Zugangebot, längeren Reisezeiten oder Haltausfällen. Oder aber die Züge seien durch nicht in den Fahrplan eingearbeitete Langsamfahrstellen permanent verspätet. Dies beeinträchtige die ohnehin eingeschränkte Betriebsqualität weiter. Vor allem für die Verkehre rund um München und Augsburg sei die Lage dramatisch.

Viele Baustellen

Besonders zugespitzt habe sich die Lage auf den Strecken von München Richtung Mühldorf, Mittenwald oder Ingolstadt, zwischen Donauwörth und Nördlingen sowie zwischen Nürnberg Nordost und Gräfenberg. Außerdem auf den Strecken Schwandorf - Furth im Wald, Ansbach - Crailsheim, Murnau - Oberammergau, Lindau - Friedrichshafen und auf der Linie der S2 um München. Auch die Verbindungen von München ins Allgäu seien mit Langsamfahrstellen gespickt - und zuletzt habe der Netzbetreiber DB InfraGO AG weitere Baumaßnahmen mit erheblichen Einschränkungen angekündigt.

Oftmals würden Langsamfahrstellen oder Streckensperrungen über viele Monate nicht beseitigt, weil es an nötigen Ressourcen und Maschinen fehle, kritisiert Bernreiter und mahnt: "Dieser Zustand ist so nicht mehr hinnehmbar."
© dpa | Abb.: StMB/Schacht (Archiv) | 26.08.2026 14:06

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