Nah- und Fernverkehr
Vor 5 Tagen

Brand im Berliner Grunewald: Bahnverkehr unterbrochen

Aufgrund des Feuers im Berliner Grunewald sind der Regional- und der S-Bahnverkehr in Richtung Westen unterbrochen. Die S-Bahn-Linie S7 fährt von Berlin aus nur noch bis Grunewald, wie ein Bahnsprecher sagte.
Feuerwehreinsatz
Feuerwehreinsatz, © Ronny, Pixabay (Symbolbild)
Beim Regionalverkehr werden demnach die Linien RE1 und RE7 derzeit mit Halt in Charlottenburg über Golm umgeleitet. Die Halte Potsdam Hauptbahnhof und Berlin-Wannsee entfallen. Die Linien RB21 und RB22 sind zwischen Berlin-Wannsee und Berlin-Friedrichstraße unterbrochen. Nach Potsdam gelangen Fahrgäste nach wie vor mit der S1.

Im Fernverkehr ist lediglich die Intercity-Verbindung in Richtung Magdeburg/Hannover/Stendal/Amsterdam betroffen. Die IC-Züge werden derzeit über Spandau umgeleitet. Stopps in Berlin-Wannsee und Potsdam entfallen.

"Enorme Gefahr" durch Explosionen und Trümmer

Im Morgengrauen sind im Südwesten der Hauptstadt Detonationen zu hören. Als um 3.30 Uhr der Alarm bei der Feuerwehr eingeht, vermuten die Einsatzkräfte noch nicht, dass ein Feuer auf und um dem Sprengplatz im beliebten Ausflugsgebiet Grunewald lodert - und es sich in den knochentrockenen Wald ausbreitet. Dieser Einsatz könne lebensgefährlich sein, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auf dem Sprengplatz der Berliner Polizei lagert Munition, die Experten dort normalerweise unschädlich machen.

Das stellt die Feuerwehr vor große Probleme. Noch Stunden nach dem Ausbruch des Brandes sind am Donnerstagvormittag weiter Knallgeräusche aus der Richtung des Sprengplatzes zu hören. Was der ursprüngliche Auslöser war und ob es in der Nacht zuerst brannte oder zu Explosionen kam, ist am Mittag unklar.

Die Einsatzkräfte kommen aus Sicherheitsgründen zunächst nicht an das Feuer heran, zu groß ist die Gefahr weiterer Explosionen und umherfliegender Trümmerteile. Bilder aus der Luft mit Hilfe einer Drohne und eines Polizeihubschraubers sollen Orientierung geben.

"Wir versuchen, so schnell wir können mit den Brandermittlern an den Ort zu kommen", sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Einsatzort. Zwar hätten Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Einsatzkräfte deutliche Detonationen wahrgenommen. "Aber was genau jetzt ursächlich war, das werden die Brandermittler klären."

Gegen Mittag identifiziert die Feuerwehr drei bis vier Glutnester aus der Luft. "Wir können diese aber noch nicht bekämpfen, da sie in diesem Gefahrenbereich liegen", sagte ein Feuerwehrsprecher dem Sender n-tv. Das Feuer brannte am Vormittag unkontrolliert auf einer Fläche von 1,5 Hektar, rund 15 000 Quadratmeter. Das entspricht etwa zwei Fußballfeldern. Wegen Explosionsgefahr zog die Feuerwehr einen Sperrkreis von rund 1000 Metern um den Brandort.

Rings um diesen Radius wurde eine Wasserversorgung hergestellt, erklärte ein Sprecher. Sollten sich die Flammen diesen Bereichen annähern, könnten sie schnell bekämpft werden. Zudem wurden die angrenzenden Waldgebiete bewässert, um ein Ausbreiten der Flammen zu erschweren.

Ein Räumpanzer der Bundeswehr sowie ein Roboter könnten sich bald dem Sprengplatz nähern und sollen den Einsatzkräften vom Boden aus einen besseren Überblick verschaffen. "Der Löschangriff kann erst erfolgen, wenn wir wissen, wie es dort aussieht", sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein. "Der Einsatz wird lange dauern." Zudem sei die Gluthitze belastend für die Kräfte von Feuerwehr und Polizei, die häufiger ausgewechselt werden müssen.

Ein angeforderter Löschhubschrauber der Bundeswehr konnte nach Angaben der Feuerwehr nicht bereitgestellt werden - wegen des Waldbrands in Sachsen. Im Nationalpark Sächsische Schweiz brennt es seit mehr als einer Woche.

Wohngegenden nahe des Grunewalds sind nach Erkenntnissen der Feuerwehr nicht in Gefahr. "Das werden wir verhindern", sagte ein Sprecher. Die nächsten Wohngebäude seien mindestens zwei Kilometer entfernt. Verletzte habe es bislang nicht gegeben. Die Behörden warnten die Bevölkerung über den Brand auf den Warnapps. Anwohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten. Lüftung und Klimaanlagen sollen ausgeschaltet werden.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sieht die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner rund um den Grunewald gewährleistet. "Was für mich wichtig ist: Dass die Sicherheit der Berlinerinnen und Berliner nicht gefährdet ist und das ist hier gegeben", sagte Spranger am Donnerstag am Ort des Einsatzes. Es gebe keinerlei toxische Gegenstände, von denen eine Gefahr ausgehen könnte. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) habe ihren Urlaub unterbrochen, um sich am Nachmittag selbst ein Bild vor Ort von der Lage machen.

Am Sprengplatz lagerten nach Angaben der Polizei rund 25 Tonnen unter anderem an Feuerwerkskörpern oder Weltkriegsmunition. Wie der Sprecher der Berliner Polizei, Thilo Cablitz, sagte, ist der Platz acht Hektar groß und 1950 entstanden. Zweimal im Jahr werden dort jeweils für mehrere Tage kontrollierte Sprengungen angesetzt.

Auf Aufnahmen der Feuerwehr waren dicke Rauchschwaden über dem Brandgebiet zu sehen. Es sei davon auszugehen, dass die hohe Trockenheit in der Gegend den weiteren Verlauf des Feuers beeinflussen werde, hieß es.

"Der Wald ist knochentrocken", sagte auch Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz. Die Wälder hätten sich durch die vergangenen Dürreperioden nicht erholen können. Zur Frage, wie sinnvoll ein Sprengplatz im Wald überhaupt noch sei, sagte er: "Mit den Sicherheitsfragen werden wir uns beschäftigen, wenn die Brandursache geklärt ist."

Die Feuerwehr warnte die Bevölkerung dringend davor, den Wald zu betreten. Das Gebiet ist großräumig abgesperrt. Polizisten stoppten etliche Radfahrer, die durch den Wald teils zum Wannsee wollten.

Auf der Autobahn Avus, wo sich sonst im morgendlichen Berufsverkehr normalerweise Wagen an Wagen reiht, herrschte gähnende Leere. Das Gebiet war weiträumig abgesperrt. Die Autobahn bleibt voraussichtlich den ganzen Tag über gesperrt.

Im Fernverkehr ist lediglich die Intercity-Verbindung in Richtung Magdeburg/Hannover/Stendal/Amsterdam betroffen. Die IC-Züge werden derzeit über Spandau umgeleitet. Stopps in Berlin-Wannsee und Potsdam entfallen.

Das Jagdschloss Grunewald blieb aufgrund des Feuers in dem Gebiet am Donnerstag geschlossen. Gefahr für das Jagdschloss bestehe aber nicht, teilte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg am Vormittag mit.
© dpa, schiene.de | Abb.: Ronny, Pixabay (Symbolbild) | 04.08.2022 07:08

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